Unternehmer im Büro reagiert auf kritische E-Mail – innere Haltung und Entscheidung im Fokus

Bewusstseinsstufen nach Hawkins – eine Perspektive auf unternehmerische Haltung

Unternehmer im Büro reagiert auf kritische E-Mail – innere Haltung und Entscheidung im Fokus
Ein Moment der Entscheidung: Innere Haltung beeinflusst unternehmerisches Handeln.
Die E-Mail vom Kunden fühlt sich an wie ein Schlag. „Wir stoppen das Projekt.“
Im ersten Moment läuft im Kopf alles gleichzeitig: Was heißt das für die Liquidität? Für die Planung? Für das Team? War das absehbar? Habe ich etwas übersehen?

Und noch bevor du bewusst nachdenkst, ist die erste Reaktion da, die Frage: Was ist passiert?

Das ist menschlich. Doch die wirklich entscheidende Frage in einer solchen Situation lautet: Aus welcher inneren Haltung handle ich jetzt?

Eine spannende Perspektive auf diese Frage liefern die sogenannten „Bewusstseinsstufen“ nach David R. Hawkins.
Kurz erklärt
Hawkins beschreibt in seinem Werk Power vs. Force eine Art Landkarte menschlicher Grundhaltungen – von stark reaktiven Zuständen wie Schuld, Angst oder Wut bis hin zu konstruktiveren Haltungen wie Akzeptanz, Klarheit oder innerer Ruhe.

Besonders interessant ist ein Gedanke: Der Übergang von reaktivem Verhalten zu gestaltendem Handeln beginnt mit Mut.

Zwar ist das Modell wissenschaftlich umstritten, wird häufig spirituell interpretiert und taugt nicht als Messinstrument für die unternehmerische Praxis, aber als Reflexionsimpuls kann es durchaus hilfreich sein.

Vereinfachte Darstellung der Bewusstseinsstufen nach Hawkins mit Übergang vom Überlebensmodus zum Gestaltungsmodus
Vereinfachte Darstellung zur unternehmerischen Einordnung
Die Hawkins Skala bietet ein System zur Klassifizierung verschiedene Bewusstseinsstufen. Jede Stufe entspricht einem bestimmten emotionalen und mentalen Zustand.

Die niedrigeren Stufen spiegeln negative Gefühle wie Scham, Schuld oder Angst wider, die höheren positive Gefühle wie Mut, Akzeptanz und Liebe.

Jede Stufe hat laut Hawkins einen signifikanten Einfluss auf das tägliche Leben, auf unsere Gefühle, unsere Entscheidungen und unser Handeln.

Der rote Bereich (Pfeil gehen nach unten) symbolisiert den Überlebensmodus, in dem sich ein Mensch oft als Opfer fühlen und im Mangelbewusstsein lebt.

Im grünen Bereich (Pfeil gehen nach oben) beginnt der Schöpfermodus, in dem ein Mensch sein Leben bewusster gestaltet und sein Potenzial aktiv entfaltet.
Unternehmerische Übersetzung
Entscheidend für uns ist nicht die Hawkins-Skala an sich, sondern wie sich innere Zustände einer Person im Führungsalltag zeigen. Die folgende Tabelle zeigt typische Grundhaltungen und deren Auswirkungen im Unternehmen sowie mögliche Folgen.
Innere Haltung
Typische Reaktion im Unternehmen
Mögliche Folge
Angst
Kontrolle verstärken, Entscheidungen aufschieben

Verlangsamung

Wut
Druck erhöhen, Schuld suchen
Eskalation
Stolz
Recht behalten wollen, nicht nachgeben
Lernblockade
Mut
Verantwortung übernehmen, offen ansprechen
Bewegung

Akzeptanz

Realität nüchtern anerkennen
Klarheit
Wertschätzung
Menschen stärken, Vertrauen aufbauen
Stabilität
Ob du gut und hilfreich entscheidest oder eher nicht, liegt selten an deinem Fachwissen. Es liegt an deiner inneren Haltung.

Der Wendepunkt „Mut“
Wichtig ist zu erkennen und zu verinnerlichen, dass die Grundhaltung Mut den Wendepunkt zum unternehmerischen Handeln bildet. Mut bedeutet dabei im Alltag, besonders im Unternehmeralltag, weniger Heldentum, sondern viel mehr:
  • eine unbequeme Wahrheit auszusprechen
  • Verantwortung zu übernehmen
  • eine Entscheidung zu treffen, obwohl nicht alles sicher ist
  • einen Konflikt nicht zu vermeiden
Mut ist der Moment, in dem du vom Reagieren ins Gestalten wechselst.
Und genau dort beginnt Führung.

Zurück zur E-Mail vom Anfang
Die E-Mail liegt noch immer im Posteingang. Du musst und willst reagieren.

Eine mögliche Reaktion aus Angst wäre: Sofort zurückschreiben. Druck machen. Argumentieren. Rechtfertigen.

Eine mögliche Reaktion aus Wut: Dem Kunden Undankbarkeit unterstellen. Intern Schuldige suchen.

Eine Reaktion aus Stolz: „Dann eben nicht.“

Doch was wäre eine mutige und unternehmerische Reaktion?

Mut heißt in diesem Moment:
  • Die Situation nüchtern anerkennen.
  • Nicht reagieren, sondern kurz innehalten.
  • Das Gespräch suchen, statt Vermutungen anzustellen.
  • Verantwortung für den nächsten Schritt übernehmen.
Eine mögliche Antwort könnte lauten: „Danke für Ihre Nachricht. Lassen Sie uns kurzfristig sprechen, um die Hintergründe zu verstehen und gemeinsam zu klären, wie wir weiter vorgehen.“

Sachlich. Klar. Ohne Drama.

Der äußere Vorgang ist derselbe. Die innere Haltung ist jeweils eine andere. Und genau diese Haltung entscheidet oft über den weiteren Verlauf und dessen Resultate.

Verbindung zu einem tragfähigen Leben
In meinem Manifest beschreibe ich ein Leben, das aus der bewussten Verbindung von Sinn, Erfüllung und Zufriedenheit entsteht. Die Perspektive von Hawkins ergänzt einen wichtigen Gedanken:
Unsere innere Haltung entscheidet oft darüber, ob wir überhaupt in der Lage sind, sinnorientiert zu handeln – oder ob wir im reinen Schutzmodus bleiben.

Ein tragfähiges Leben entsteht nicht durch perfekte Emotionen. Es entsteht durch bewusste Entscheidungen trotz Emotionen.

90-Sekunden-Reflexion für den Alltag
Bei deinem nächsten Druckmoment kannst du die hilfreiche „90-Sekunden-Reflexion“ durchführen:
  • Welche Emotion ist gerade dominant?
  • Was versuche ich gerade zu schützen?
  • Was wäre eine kleine, aber mutige Handlung in den nächsten 15 Minuten?
Ein kurzer Moment, der dich aus einer unbewussten Opferrolle in einen aktiv gestaltenden Modus bringt. Denn oft reicht eine einzige bewusste Entscheidung, um die Richtung zu verändern.

Hinweis zur Einordnung
Die Bewusstseinsstufen nach Hawkins sind kein wissenschaftlich anerkanntes Führungsmodell. Sie können jedoch als Denkanstoß dienen, um eigene Reaktionsmuster besser zu erkennen und bewusster zu steuern.
Entscheidend bleibt nicht die Stufe – sondern die Verantwortung für das eigene Handeln.

Ausblick
In einer kommenden Artikelserie möchte ich weiter der Frage nachgehen:
Wie beeinflussen Gedanken und Emotionen unsere Wirklichkeit – und damit unser unternehmerisches Handeln?
Wenn dich dieses Thema interessiert, lies gern weitere Beiträge hier auf norlan.de.

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